Jan Liekenbrock
2022-07-17
Honecker und Ulbricht 1972 (picture-alliance / Sven Simon)
Formell bat Walter Ulbricht 1971 das SED-Zentralkomitee um einen Rücktritt aus Altergründen, tatsächlich ging dem jedoch ein längerer Machtkampf voraus. Ulbricht war zuvor durch seine Reformbestrebungen auch in Moskau in Ungnade gefallen. Erich Honecker nutzte die Gunst der Stunde und zwang Ulbricht zum Rücktritt. Er wurde neuer Generalsekretär des Zentralkomitees der SED. 1 Ulbricht diente als Sündenbock für die wirtschaftlchen Probleme der DDR. Honecker und das Politbüro sahen die Lösung der Probleme in der Rückkehr zur Planwirtschaft der 1950er Jahre. (bpb 2012)
Kraft seiner starken Wurzeln wird er alle Mauern sprengen (links Egon Bahr, rechts Willy Brandt) (Wolfgang Hicks, 1972)
Der Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der BRD wurde im Rahmen der Entspannungspolitik und weiterer Ostverträge zwischen der BRD und und der Sowjetunion unter Willy Brandt geschlossen. Die neue Ostpolitik stürzte die Regierung Brandt in eine Krise, ein Misstrauensvotum scheiterte vermutlich an durch die DDR gekaufte Stimmen. (Deutscher Bundestag 2017) 2 Mit dem Grundlagenvertrag sichert die BRD der DDR staatsrechtliche Anerkennung. Zuvor galt für die BRD die Hallstein-Doktrin, die auch den sogenannten Alleinvertretungsansprich beinhaltete und anderen Statten diplomatische Beziehungen zur DDR untersagte. (Hanns Jürgen Küsters 2014) Der Grundlagenvertrag sicherte der DDR internationale Anerkennung, 1973 folgte die Aufnahme in die UNO.
Palast der Republik (Lutz Schramm)
Erichs Lampenladen (Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte / Gerhard Kiesling)
Nach der Grunsteinlegung am 2. November 1973 wurde der Palast der Republik am 23. April 1976 eingeweiht. Infolge der internationalen politischen Aufwertung benötigte die DDR nach Meinung ihrer politischen Führung eine repräsentative Hauptstadt mit einer entsprechend repräsentativen Mitte. Überlegungen, auf dem inzwischen „Marx-Engels-Platz“ titulierten „Zentralen Platz“, der nach sowjetischem Vorbild als Aufmarschplatz für die Massen vor der auf der Ehrentribüne versammelten politischen Führung diente, ein „Zentrales Gebäude“ zu errichten, bekamen wieder Aufwind. Bei dessen Konzeption standen aber zunehmend die Ideen eines „Volkshauses“ Pate. Der Konzeption des „Palastes der Republik“ lag die Idee eines Kulturhauses zugrunde, das öffentlicher Volkspalast und Staatspalast als repräsentativer Ort für die Selbstdarstellung des Staates in einem sein sollte. In dem einen Teil des Gebäudes wurde ein Ort geschaffen, in welchem das Parlament der DDR, die Volkskammer, tagte.
Berliner Schloss 1950 (Förderverein Berliner Schloss e.V.)
Im anderen Teil des Gebäudes war der Palast Mehrzweckkulturstätte mit Theatern, einer Bowlingbahn und insgesamt 13 gastronomischen Einrichtungen. Aber er bot mit dem Großen Saal und den übrigen zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten auch genügend Platz für Feste und Staatsfeiern, für Kongressveranstaltungen und nicht zuletzt für die Parteitage der SED. (Deutscher Bundestag )
Insbesondere in der ersten Hälfte der 1970er Jahre war ein vergleichsweise breites Sortiment heimischer und nicht-heimischer Obstsorten und Südfrüchte verfügbar, ohne jedoch den tatsächlichen Bedarf zu decken. 1978 betrug der Verbrauch an Obst und Südfrüchten etwa 31 kg pro Kopf und Jahr. Mehr als die Hälfte davon wurde durch Obstsorten gedeckt, die auch im Inland geerntet werden konnten (Äpfel, Kirschen, Erdbeeren, Pflaumen und Birnen).
Familie beim Einkauf in einer “Selbstbedienungs-Kaufhalle” im Jahr 1976 (dpa)
Bis 1978 wurde mehr als die Hälfte des gesamten Obstangebots durch Importe gedeckt. Das sicherte eine größere Breite des Sortiments, ohne indes zu garantieren, dass es jederzeit und überall in der DDR erhältlich war. 1978 machten Südfrüchte (Bananen, Orangen, Mandarinen und Grapefruits) immerhin gut 40 Prozent des Angebots aus. 3 (Matthias Judt 2013)
1979 feierte die DDR ihr 30-jähriges Bestehen. Zu der Zeit war die Kritik am Staat schon sehr deutlich. Hierzu ein Auszug aus Robert Havemanns 10 Thesen, zum 30. Jahrestag der DDR von September 1979:
„Bruderkuss“ von Honecker und Breschnew (Global Look Press)
Leonid Breschnew bei seinem Staatsbesuch in der DDR, 4. Oktober 1979 (Bundesarchiv, Wolfgang Kluge)
” Es ist ganz offensichtlich, dass alle diese Repressionen und Freiheitsbeschränkungen das Gegenteil dessen bewirken, was mit ihnen erreicht werden soll. Sie sollen der Sicherheit des Staates dienen, sind aber tatsächlich die Ursache der zunehmenden Staatsunsicherheit. Unter solchen Bedingungen muß schließlich auch der letzte Rest des Vertrauens zwischen Bürgern und Staat dahinschwinden, und zwar von beiden Seiten. „Schenkst du kein Vertrauen, so findest du kein Vertrauen”, heißt es bei dem chinesischen Weisen Lao Tse, der vor zweieinhalb Jahrtausenden lebte. Vertrauen der Bürger zu ihrem Staat ist aber das wertvollste politische Gut. Auf ihm beruht nicht nur seine innere, sondern auch seine äußere Sicherheit, ohne die kein Staat auf die Dauer leben kann. Denn vom Vertrauen seiner Bürger hängt auch das Vertrauen ab, das befreundete und verbündete Staaten ihm entgegenbringen.” 4
(Robert Havemann 1979, These 6)
Der Abriss des Palastes der Republik ist Symbol der deutschen Wiedervereinigung
Die DDR hat’s nie gegeben (dpa)
1976 wird Honecker alle wichtigen Ämter der DDR in Personalunion innehaben↩︎
Willy Brandt tritt 1974 aufgrund des DDR Spions Günter Guillaume zurück↩︎
Die Unmut der Bevölkerung über die Versorgungsengpässe in den 80ern schlug bald in generelle Kritik am politischen System um↩︎
Havemann stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits drei Jahre unter Hausarrest↩︎